Montag, 25. August 2008
Die rechte Stunde aus den Gedichten vermischten Inhalts von Annette von Droste-Hülshoff in Handschrift


Annette von Droste-Hülshoff hat ihre enorme Bekanntheit der eigenen Novelle Die Judenbuche aus den Jahren 1839/41 zu verdanken. Allein schon in Reclams Universalbibliothek ist diese Geschichte mehr als eine Million mal verkauft worden. Dieser Ruhm hat sich bis in andere Länder ausgeweitet, da gerade dieses Büchlein auch außerhalb des deutschen Sprachraums lang zur Pflichtlektüre bzw. zu den von Lehrern und Kennern der deutschen Weltliteratur empfohlenen Büchern gehört hat.
Als Dichterin stand sie ganz oben auf der Leiter der literarischen Welt in einer Zeit die vornehmlich noch von den Herren der literarischen Schöpfung dominiert wurde.
Sie wurde am 10. Januar 1797 auf Schloss Hülshoff bei Münster geboren und erhielt eine hervorragende Bildung. Sie hatte das besondere Glück schon in ihrer Jugend in Dichterkreise eingeführt zu werden, wo sie bekannt wurde mit August Wilhelm Schlegel (1774-1853), Karl Simrock (1802-1876) und Adele Schopenhauer (1797-1848). Eine Liebesbeziehung hatte die Droste mit dem Heine-Freund Heinrich Straube (1794-1847) Student zu Göttingen und dessen Freund August von Arnswaldt (1798-1855).
1838 ist die erste Gedichtsammlung von Annette von Droste erschienen. In den Jahren 1841-44 befand sie sich meistens am Bodensee, auf Schloss Meersburg. Dann begegnete sie Ludwig Uhland [1] und Gustav Schwab (1792-1850), sowie viele andere Persönlichkeiten aus dem Kulturleben.
Die Veröffentlichung der Novelle Die Judenbuche erlebte sie 1842 und zwei Jahre später ist eine zweite Gedichtsammlung erschienen. In jenem Lebensabschnitt wurde sie auch noch näher bekannt mit dem siebzehn Jahre jüngeren Levin Schücking (1814-1883) der Anfang der vierziger Jahre Bibliothekar auf Schloss Meersburg war. Ihre Liebe zu ihm war stark geprägt von mütterlichen Gefühlen. Im Jahre 1846 ist es jedoch zu einer schmerzlichen Trennung gekommen.
Annette von Droste starb am 24. Mai 1848. Ihre Gedichtsammlung Das geistliche Jahr, schon 1820 begonnen und zwischen 1837 und 1839 vollendet, wurde erst posthum veröffentlicht.

Die rechte Stunde

Im heitern Saal beim Kerzenlicht,
Wenn alle Lippen sprühen Funken; —
Und gar, vom Sonnenscheine trunken,
Wenn jeder Finger Blumen bricht; —
Und vollends an geliebtem Munde,
Wenn die Natur in Flammen schwimmt, —
Das ist sie nicht, die rechte Stunde,
Die dir der Genius bestimmt.

Doch wenn so Tag als Lust versank,
Dann wirst du schon ein Plätzchen wissen,
Vielleicht in deines Sofas Kissen,
Vielleicht auf einer Gartenbank:
Dann klingt's wie halb verstandne Weise,
Wie halb verwischter Farben Guß
Verrinnt's um dich, und leise, leise
Berührt dich dann dein Genius.

(Aus: Gedichte vermischten Inhalts)
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[1] Sehen Sie dazu unseren Beitrag vom Sonntag 17. August 2008:
http://kulturtempel.blogger.de/stories/1200053/
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Abbildungen
1. Handschrift des Droste-Gedichts Die rechte Stunde</>
2. Annette von Droste-Hülshoff im Jahre 1829. Zeichnung von Franz Nadorp (1794-1876).
3. Levin Schücking (1848), Bibliothekar und eine Zeit lang inniger Freund der Droste.

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