Dienstag, 2. September 2008
Hugo von Hofmannsthal: Die Frau ohne Schatten — Fragment eines Gedichts aus 1915
Da in diesem Monat September in den Niederlanden — im Musiktheater Amsterdam — es acht mal eine Vorstellung einer Neuinszenierung der Niederländischen Oper vom Richard Strauss'chen Musiktheater-Opus Die Frau ohne Schatten aus 1919 geben wird — dazu mehr in unserem nächsten Beitrag —, schien es uns ein guter Gedanke zu sein Ihre Aufmerksamkeit für das Hofmannsthal'sche Gedicht — das vier Jahre früher entstanden ist als seine gleichnamige Erzählung — in Anspruch zu nehmen und ihnen nebenbei eine kleinere, schöne Sammlung von Gedichten dieses Autors ans Herz zu legen.
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DIE FRAU OHNE SCHATTEN (Auszug — 1915)

Die Ungeborenen

Hört, wir gebieten euch:
Ringet und traget,
daß unser Lebenstag
herrlich uns taget!
Wasihr an Prüfungen
standhaft durchleidet,
uns ists zu strahlenden
Kronen geschmeidet!
. . .

Vater, dir drohet nichts,
siehe, es schwindet schon,
Mutter, das Ängstliche,
das euch beirrte.

Wäre denn je ein Fest,
wären nicht insgeheim
wir die Geladenen,
wir auch die Wirte!
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Hugo von Hofmannsthal:
Die scheue Schönheit kleiner Dinge — Gedichte.
Auswahl und herausgegeben von Dorothea Tetzel von Rosador.
160 Seiten, kleiner Paperback; Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2004.
ISBN 978-3-423-13256-6. Preis € 7,50.

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