Mittwoch, 19. Januar 2011
Erster Schnee — Ein Gedicht von Gottfried Keller



Wie nu alles stirbt und endet
Und das letzte Rosenblatt
Müd sich an die Erde wendet,
In die warme Ruhestatt:
So auch unser Tun und Lassen,
Was uns heiß und wild erregt,
Unser Lieben, unser Hassen
Sei ins welke Laub gelegt!

Reiner, weißer Schnee, o schneie,
Schnei beide Gräber zu,

Daß die Seele uns gedeihe
Still und kühl in Winterruh!
Bald kommt jene Frühlingswende,

Die allein die Liebe weckt,
Wo der Haß umsonst die Hände
Träumend aus dem Grabe streckt!



Gottfried Keller (1819-1890)
Aus: Gedichte 
__________
Mehr Gedichte vom selben Autor sind heute veröffentlicht worden, das erste in einem Beitrag auf einer unserer vielen niederländischsprachigen Schwesterseiten: Tempel der Dichtkunst, das zweite in der, gleichfalls deutschsprachigen, elektronischen Zeitschrift Kulturtempel (2).
Einen Beitrag über die NDR Kultur-Sendungen 
der kommenden fünf Wochen, in der Reihe Am Abend vorgelesen —  mit Erzählungen von Gottfried Keller — finden Sie in einem Artikel auf unserer niederländischen Schwesterseite Tempel der Letteren.

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Donnerstag, 16. Dezember 2010
MooiMan in Groningen zeigt Doppelausstellung ZILVER
Ein jeder der sich in seinem Leben für Schönheit im klassischen Sinne interessiert, und sollten Damen dieses lesen, sei gerne darauf hingewiesen dass wir — die wir so gerne über das Phänomen Schönheit im Bezug auf alle Formen von Kunst und den dazu gehörenden Sinn schreiben — immer noch hoffen dass wir auch das Interesse von Frauen wecken können wenn wir Kunst aus einer sogenannten Männergalerie vorstellen.
Auf der ganzen Welt gibt es nur fünf richtige Männergalerien — und die alle beschäftigen sich mit Kunst im weitesten Sinne, doch diese muss in erster Linie attraktiv für homosexuelle Männer sein — und all diese befinden sich in Europa. Die beste darunter in den Niederlanden — und nicht, wie man vermuten könnte, in der Randstadt Holland (das ist Amsterdam und ihre weite Umgebung; ein Staat namens Holland gibt es seit zwei Jahrhundert auf unserem Planeten unter der Sonne nicht, aber das scheint ein Faktum zu sein das vor allem 
(von den Niederlanden aus gesehen) Ausländer nicht akzeptieren können weil sie allzu voreingenommen sind. Diese beste jener fünf Galerien befindet sich in Groningen, der nördlichen Metropole der Niederlande.

Dies ist eins der fünfundzwanzig ausgestellten Fotos von Benno Thoma. Dieses Modell war bei der Eröffnung der Ausstellung am Sonntag 12. Dezember in Galerie MooiMan zu Groningen in den Niederlanden, zusammen mit dem Künstler anwesend. Dies ist eins der Fotos auf dem Format 150 x 100 Zentimeter. Die übrigen zehn messen alle 75 x 75 Zentimeter. Das silberne Element kommt kaum zum Tragen in dieser elektronischen Wiedergabe. All diese Bilder sind in Wirklichkeit erstaunlich viel schöner als wir sie Ihnen vorstellen können.

In dieser Galerie — MooiMan heißt sie, was so viel heißen will wie Schöner Mann; dazu ist dieser Name als Ausdruck mit zwei Worten: "mooi, man" soviel wie "Ist das aber schön"— wurde an diesem Sonntag, spät nachmittags eine neue Ausstellung vom Groninger Oberbürgermeister Peter Rehwinkel eröffnet. Selber bekennender Homosexueller, wie es auch immer mehr Bürgermeister von Großstädten in der BRD sind, hat er sich in sehr lobenden Worten über die Ausstellung ZILVER (dt: Silber), gleichfalls in die Richtung eines der beiden Künstler, Benno Thoma, der zusammen mit einem seiner Modelle, bei der Eröffnung der Ausstellung anwesend war.
Über einige Stücke des anderen ausgestellten Künstlers, Keith King (London), informieren wir Sie in einem zweiten Beitrag. Der gute Mann konnte zur Eröffnung nicht erscheinen, unter anderem weil er vergessen hatte seinen Pass zu verlängern
Die Leute welche Niederländisch lesen/verstehen können, sollten sich den Artikel von gestern auf unserer Schwesterseite Cultuur in Groningen en omgeving, sowie einen zweiten Beitrag auf einer anderen Webseite, Rond beeldende kunsten, anschauen.

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Het feit dat de Oostenrijkse componist Alban Berg (1885-1935) het komende weekeinde wordt herdacht naar aanleiding van zijn vijfenzeventigste sterfdag — en niet, zoals de VPRO-Gids ons wil doen geloven: diens geboortedag — op 24 december, is voor ons aanleiding om twee gedichten van De Duitse auteur Theodor Storm op te nemen. Het eerste, Die Nachtigall is door Alban Berg op muziek gezet en opgenomen in het opus Sieben frühe Lieder, gerealiseerd in de jaren 1905-1908, voor lage stem en piano gereviseerd georkestreerd in 1928; de pianoversie eveneens aangepast in dat jaar.


De Duitse dichter
Theodor Storm in 1879.
D i e   N a c h t i g a l l

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,

Da sind in Hall und Wiederhall
Die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Kind,
Nun geht sie tief in Sinnen
Trägt in in der Hand den Sonnenhut
Und duldet still der Sonne Glut,
Und weiß nicht, was beginnen.

Das macht, es hat die Nachtigall

Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Wiederhall
Die Rosen aufgesprungen.

De tekst van het tweede gedicht — Schließe mir die Augen beide — van dezelfde auteur dat door Alban Berg eveneens voor lage stem en piano is gebruikt, werd gerealiseerd in 1907, in twee verschillende versie, welke pas in 1930 zijn gepubliceerd.

S c h l i e ß e   m i r   d i e   A u g e n   b e i d e

Schließe mir die Augen beide
Mit den lieben Händen zu!
Geht doch alles was ich leide,
Unter deiner Hand zur Ruh.
Und wie leise sind der Schmerz
Well' um Welle schlafen leget,
Wie der letzte Schlag sich reget,
Füllest du mein ganzes Herz

THEODOR STORM (1817-1888)
Uit: Die Gedichte

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Sonntag, 19. September 2010
Umzug nach Kulturtempel (2)
Da es auf dieser Webseite soviele technische Schwierigkeiten gibt — sowohl mit der Bebilderung, wie auch in der Ausstattung — und man nicht auf die geringste Unterstützung aus dem Hause des Providers rechnen darf, habe ich beschlossen ab heute die neuen Beiträge auf der Webseite

KULTURTEMPEL (2)

zu publizieren. Sehen Sie dazu


http://kulturtempel2.blogspot.com/

Die Beiträge bis heute kann man weiterhin auf dieser Webseite finden.

Herzlichst,

HEINZ WALLISCH
, Groningen — Niederlande

@: heinzwallisch@gmail.com

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Montag, 13. September 2010
Ein leben für die Oper: Rolf Liebermann
TV-Porträts
In der Nacht vom Montag 13. auf Dienstag 14. Septemberwerden ab 00:30 Uhr im Deutschen Regional Fernsehen — NDR im Dritten Programm der ARD — drei TV-Porträts hintereinander ausgestrahlt die alle den gleichen Protagonisten vorstellen: den Schweizer Musiker Rolf Liebermann der vor genau einhundert Jahren — am 14. September 1910 — geboren wirde, und am 2. Januar 1999 verstorben ist. Nicht nur als Komponist hat er sich einen Namen gemacht — unter anderem mit Musikdramen —, doch genau so als Intendant der Hamburgischen Staatsoper. Weiterhin war Rolf Liebermann ein großer Jazzmusiker.
Um 00:30 Uhr begint das erste Filmporträt, eine Stunde später gefolgt von einem zweiten Dokumentarfilm — wiederum mit einer Dauer von etwahin einer Stunde, und sogar mit dem selben Titel: Rolf Liebermann — Musiker. Zum Abschluß dieses Trias von Filmdokumentationen wird, zwischen 02:30 Uhr und 03:15 Uhr das Porträt Leben für die Oper — Zum Tod von Rolf Liebermann gesendet.

Zeitzeuge im Rundfunk
Am Mittwoch 15. September wird der regionale Rundfunksender NDR Kultur wiederum eine Folge in der Reihe Neue Musik ausstrahlen. Diese Sendung befasst sich ebenfalls mit Rolf Lebermann, in diesem jedoch als Zeitzeuge des vergangenen Jahrhunderts. Diese, ihm verliehene, Funktion findet sich auch wieder im Titel des Beitrags Ein Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts: Rolf Liebermann zum 100. Geburtstag. Diese Rundfunksendung fängt um 20:50 Uhr an und endet gegen 22:00 Uhr.
__________
Foto: Rolf Liebermann am Ende seines Lebens; © Universal Edition. Dank an Angelika Dworak in jenem Musikverlag.

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Dienstag, 31. August 2010
Drei Lieder von Gotthold Ephraim Lessing



Auf sich selbst

Ich habe nicht stets Lust zu lesen.
Ich habe nicht stets Lust zu schreiben.
Ich habe nicht stets Lust zu denken,
kurzum, nicht immer zu studieren.

Doch hab ich allzeit Lust zu scherzen.
Doch hab ich allzeit Lust zu lieben.
Doch hab ich allzeit Lust zu trinken
kurz, allezeit vergnügt zu leben.

Verdenkt ihr mir's, ihr sauren Alten?
Ihr habt ja allzeit Lust zu geizen;
Ihr habt ja allzeit Lust zu lehren;
Ihr habt ja allzeit Lust zu tadeln.

Was ihr tut, ist des Alters Folge.
Was ich tu, will die Jugend haben.
ich gönn euch eure Lust von Herzen.
Wollt ihr mir nicht die meine gönnen?


Der Sonderling

So bald der Mensch sich kennt,
sieht er, er sey ein Narr;
Und gleichwohl zürnt der Narr;
Wenn man ihn also nennt.

So bald der Mensch sich kennt,
Sieht er, er sey nicht klug;
Doch ists ihm lieb genug,
Wenn man ihn weise nennt.

Ein jeder, der mich kennt
Spricht: welcher Sonderling!
Nur diesem ists ein Ding,
Wie ihn die Welt auch nennt.


Ich

Die Ehre hat mich nie gesucht;
Sie hätte mich auch nie gefunden.
Wáhlt man, in zugezählten Stunden.
Ein prächtig Feierkleid zur Flucht?

Auch Schätze hab ich nie begehrt.
Was hilft es, sie auf kurzen Wegen
Für Diebe mehr als sich zu hegen,
Wo man das wenigste verzehrt

Wie lange währt's, so bin ich hin
Und einer Nachwelt untern Füßen?
Was braucht sie, wen sie tritt, zu wissen?
Weiß ich nur, wer ich bin.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Gedichte
__________
Abbildung: Portret van Lessing uit 1771.
Vom Schweizer Maler Anton Graff (1736-1813).

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Freitag, 27. August 2010
Zwei Brüder die sich sehr gerne haben: Sasja und Bles
Die beiden Halbbrüder Sasja und Bles waren hier wieder einmal zusammen. Bles hat vieles unternommen und kam manchmal sogar eine Woche nicht nach Hause. Doch wenn er einmal wieder zu Hause war, hat er sich gerne mit seinem älteren Bruder unterhalten. Sasja wurde mit vier anderen im Mai 1992 geboren; er ist der einzige der jetzt noch am Leben ist aus den beiden Gruppen von Kindern, beide bestehend aus fünf Kleinkatzen welche dieselbe Mutter geboren hat. Der zweite Wurf war im April 1993; dazu gehörte Bles. Beide Gruppen hatten jedoch jeweils einen anderen Vater, und somit waren die zwei 'nur' Halbbrüder. Das Verhältnis der beiden war hervorragend, wie das Foto aus dem Jahre 2000 zeigt. Bles ist 2004 verstorben, Sasja mischt sich noch in das Tagesgeschehen bei uns zu Hause und im Garten ein. Obwohl er inziwschen etwas taub ist, entgeht ihm nichts.

Im Garten kann es nun mal regnen und um Sasja ein trockenes Plätzchen zu garantieren, hab ich ihm in einer Ecke des Gartens neben dem Haus, unter einer dichtgewachsenen Hecke, eien kleinen Tisch hingestellt, damit er sein Essen und sich selbst trocken durch den Tag bringen kann. Das Essen konsumiert er dort wenn es regnet, doch für sich hat Herr Kater im Garten hinter dem Haus einen anderen Tisch ausgesucht, denn darunter liegt ein alter Autoreifen in dem er sich gerne zum Schlafen aufrollt.
Wenn er es für angebracht hält, mischt er sich ein, sonst benimmt er sich wie ein adliger Herr der sich alles mit etwas Abstand ansieht. Er verträgt sich auch mit den Igeln, die jeden Abend, wenn es dunkel wird, kommen um vom Katzenfutter zu naschen.

Nachtrag 4. September
Ganz unerwartet ist Sasja am Donnerdstag 2. September, morgens um halb sechs, verstorben. Er war 18 Jahre alt. Nach den anfänglichen, damals vom Tierarzt als unabdingbar geachteten, Spritzen, hat Sasja in den restlichen 17 Jahren niemals einen Tierarzt gebraucht.
Montagnacht hat er noch den nächtlichen Spaziergang mit Kater Ramses und Hündin Amber mitgemacht. In der Nacht zum Mittwoch stand er hinterm Haus um uns, und vor allem Amber und mich, nachdrücklich zu begrüßen. Morgens früh hat er sich gemeldet um mitzuteilen dass er etwas essen möchte. Am Nachmittag wollte er nur noch trinken. Um zehn nach Fünf am Donnerstag morgen hat er mich noch einmal ganz herzlich begrüßt. Zwanzig Minuten später stellte sich heraus dass er ganz ruhig zum letzten Mal eingeschlafen ist.
Ich habe Sasja neben seiner damaligen Gattin Bontje begraben. Sasja war seit fast vier Jahren verwitwet.
Später mehr über die beiden Eheleuten.

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Samstag, 21. August 2010
Ein Gedicht von Jacob Burckhardt in einem Brief vom 30. August aus Mailand an den Architekten Max Alioth
Der international respektierte und einflussreiche Kunsthistoriker — mit besonderen Kenntnissen über die Kunst der Renaissance in Italien — Jacob Burckhardt (1818-1897) hat nicht nur auf seinem Fachgebiet eine respektabele Menge an Texten produziert, doch gleichfalls hat er einen Schatz an Briefen hinterlassen, welche 1935 das erste Mal in einem Band mit 500 Seiten, und dazu noch einen Lebensabriß von 130 Seiten zusammen veröffentlicht wurden. In einigen von diesen Briefen hat Burckhardt ein Gedicht hinzugefügt von dem er wahrscheinlich der Überzeugung war dass er damit mehr zum Ausdruck bringen konnte als es mit den Worten die normalerweise in einem Brief verwendet worden wären.
Am 30. August 1878 hat Jacob Burckhardt aus einem Café am Korso in Mailand den hier unten aufgeführten Brief mit Gedicht an den Architekten Max Alioth geschrieben.



"Es ist ein wonniger Regentag, kein bloßer Sprühregen, nein kein Landregen; umsonst hat die Sonne einige infam Versuche gemacht, uns ieder zu kujonieren; es hilft ihr nichts."

Dieser Text wird gefolgt vom

Architekturlied aus Italien

An manchem schönen Vestibül
Verstärkt' ich schon mein Kunstgefühl,
An mancher schönen Stegen ;
es ist ein wahrer Segen.

ich bin in Welschland wohlbekannt,
jetzt durchgeschwitzt und hartgebrannt
Und tu mich nicht genieren,
Krummkrüpplich zu skizzieren.

Denn neben Dir ist alles Tand,
O Du, halb Dreck- halb Götterland,
Wo alls hoch und luftig
(Der Mensch bisweilen schuftig).

Und mein Programm ist bald gesagt :
An allem, was da schwebt und ragt.
Gebälk, Gewölb und Kuppeln
Mich noch recht vollzuschnuffeln,

Damit mir Atem übrigbleibt,
Wenn Basel mir den Angstschweiß treibt
Und enge Häuserreihen
Ob mir zusammen keien ¹.

¹ fallen.

Jacob Burckhardt (1818-1897)
Aus der Ausgabe Briefe (1835)
__________
Abbildung: Jacob Burckhardt, 1845.

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Dienstag, 17. August 2010
Corona Schröter komponierte 1786 als erste Musik zu Goethens Ballade Der Erlkönig aus 1782

Sogar relativ oberflächliche Liebhaber von der Gattung Kunstlied wissen fast immer die richtige Antwort wenn man sie die Frage stellt, wer Goethe's Ballade Der Erlkönig zur musikalischen Komposition hochstilisiert hat: Franz Schubert (1797-1828). Als ich noch in einem humanistischen Gymnasium Unterricht bekommen habe — und das war wohl ganz anders als es heutzutage der Fall ist —, wurde das im Deutschunterricht behandelt, da der Text vom Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) im Jahre 1782 höchstpersönlich in die Welt gesetzt wurde.
Damals wurden wir jedoch nicht darüber informiert dass es
schon vor Schubert andere Personen aus der Welt der Künste gegeben hat die selbiges getan hatten. Unter ihnen war Corona Schröter (1751-1802), die als Hofsängerin, Komponistin, Malerin und Schauspielerin damals zur ersten Garnitur gehörte.
Goethe hatte in mehreren Hinsichten Kontakte mit ihr gepfleht. In seiner Funktion als Theaterdirektor und Schauspieler ist er zusammen mit ihr aufgetreten in seiner eigenen Iphigenie. Sie in der Rolle der letzteren, er als Orest.
Darüber werden wir auf dieser Kulturseite später berichten.


Abbildungen
1. Erste Seite der Komposition von Corona Schröter; Erlkönig 1786.
2. Die vielseitig begabte Künstlerin, naar een aquarel van Georg Melchior Kraus (1737-1806).

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Montag, 16. August 2010
Weisheiten aus dem umfangreichen Goethe-Schatz (1)
Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren.

In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträtselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen's: fromm sein ! —



Freiheit ! Ein schönes Wort, wer's recht verstünde. Was ist des Freisten Freiheit? — Recht zu tun.

Gesetzgeber oder Revolutionärs, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, und Phantasien oder Charlatans.

Es ist der Charakter des Deutschen daß sie über allem schwer werden, daß alles über ihnen schwer wird.

Die Deutschen sollten in einem Zeitraum von dreißig Jahren das Wort Gemüt nicht aussprechen, dann würde nach und nach Gemüt sich wieder erzeugen; jetztheißt es nur: Nachsicht mit Schwächen, eignen und fremden.

Der e c h t e Deutsche nezeichnet sich durch mannigfaltige Bildung und Einheit des Charakters.
__________
Abbildung: Johann Wolfgang von Goethe. Gemälde aus 1827 von Julius Ludwig Sebbers (1804-1843).
__________
Noch sieben derartige Weisheiten vom Inbegriff des Universalgenies können Sie lesen auf unserer niederländischsprachigen Schwesterseite Tempel der Wijze Woorden in einem Beitrag gleichfalls von heute.

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Samstag, 7. August 2010
Das goldene Wort und noch sieben andere Epigramme des deutschen romantischen Dichters Wilhelm Müller
Recht und Liebe.
Das Recht sagt: Jedem das Seine!
Die Liebe: Jedem das Deine!

Zeit und Mensch.
Was heißt das, über die Zeit zu klagen!
Wie jeder sie macht, so muß er sie tragen.

Die schwere Last.
Nichts ist dem Menschen so schwer zu tragen,
Als eine Lust von guten Tagen.

Lust und Leid.
Wenn du Gott wolltest Dank für jede Lust erst sagen,
Du fändest gar nicht Zeit, noch über Weh zu klagen.

Das geflügelte Wort.
Ist das Wort der Lipp' entflohen, du ergreifst es nimmermehr
Führt die Reu' auch mit vier Pferden augenblicklich hinterher.

Weltlust.
Die Lust der Welt ist Honigseim, um den wir wie die Fliegen schweben;
Noch keine hat daraus genippt, ihr blieb ein Stückchen Flügel kleben.

Atlas.
O Atlas, großer, starker Riese, wie wird des Himmels Last dir schwer!
Die Liebe trägt dieselbe Bürde und hüpft so selig hin und her.

Der erste Flecken.
Wenn du durch den Kot der Strae mußt mit neuen Schuhen gehn,
Wirst du trippelnd auf den Spitzen nach den blanksten Steinen sehn;
Hat sie erst beschmutzt ein Fleckchen, lernst du waten sicherlich:
Hüte, Kind, in deiner Seele vor dem ersten Flecken dich!


Wilhelm Müller (1794-1827), Deutscher romantischer Dichter, war berühmt in seiner Zeit und ist es bis in unsere Zeit geblieben, sei es heutzutage fast ausschliesslich durch seine Beziehung zu den Liedern von Franz Schubert (1797-1828).

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Mittwoch, 4. August 2010
Die Stadt des Fin-de-siècle in drei poetischen Überlegungen aus jener Kulturperiode
Theodor Storm, borstbeeld in zijn geboorteplaats HusumDie Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohne Unterlaß;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

Theodor Storm (1817-1888)

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Oskar Loerke, getekend door Emil StumpDie Stadt verklingt

Woher die feinen Töne schweben
Wie weit verwehter Düfte Schwaden?
Sie sind vom weiten Weg beladen
Mit Mörtelmehl und Spinneweben.

Verstaubtem Öl in Schlüssellöchern
Und stickluftdunkler Korridore,
Mit Säuren, Weines rotem Flore,
Mit Anklang, eisen, hölzern, knöchern.

Und während sie dich schwer erheben,
Kommt schon der Mond mit großem Rade,
Und unter dir klingt als Ballade
Die Stadt, der Abend und das Leben.

Oskar Loerke (1884-1941)

____________________

Gerrit EngelkeIch will heraus aus dieser Stadt

Ich weiß daß Berge auf mich warten,
Draußen — weit —
Und Wald und Winterfeld und Wiesengarten
Voll Gotteseinsamkeit —

Weiß daß für mich ein Wind durch Wälder dringt,
So lange schon —
Daß Schnee fällt , daß der Mond nachtleise singt
den Ewig-Ton —

Fühle, daß nachts Wolken schwellen,
Bäume
Daß Ebenen, Gebirge wellen
In meine Träume —

Die Winterberge, meine Berge tönen —
Wälder sind verschneit —
Ich will hinaus, mit euch mich zu versöhnen!
Ich will heraus aus dieser Zeit,

Hinweg von Märkten, Zimmern, Treppenstufen,
Straßenbraus —
Die Waldberge, die Waldberge rufen,
Locken mich hinaus!

Bald hab ich diese Straßenwochen,
Bald diesen Stadtbann aufgebrochen
Und ziehe hin, wo Ströme durch die Ewig-Erde pochen,
Ziehe selig in die Welt!

Gerrit Engelke (1890-1918)
____________
Abbildungen
1. Theodor Storm, Büste in seinem Geburtsort Husum.
2. Oskar Loerke, gezeichnet von Emil Stump.
3. Gerrit Engelke.

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Montag, 2. August 2010
Die Amerikanische Dichterin Ella Wheeler Wilcox wurde inspiriert von dem Johann-Strauß-Walzer Künstlerleben


"ARTIST'S LIFE"

Of all the waltzes the great Strauss wrote,
Mad with melody, rhythm-rife
From the very first to the final note,
Give me his "Artist's Life" !

It stirs my blood to my finger ends,
Thrills me and fills me with vague unrest,
And all that is seetest and saddest blends
Togehter within my breast.

It brings back that night in the dim arcade,
In love's sweet morning and life's best prime,
When te great brass orchestra played and played,
And set our thoughts to rhyme.

It brings back that winter of mad delights,
Of leaping pulses and tripping feet,
And those languid moon-washed Summer nights
When we heard the band in the street.

It brings back rapture and glee and glow,
It brings back passion and pain nad strife,
And so of all the waltzes I know,
Give me the "Artist's Life."

For it is so full of the dear old time—
So full of the dear old friends I knew.
And under its rhythm, and lilt, and rhyme,
I am always finding—you.

Ella Wheeler Wilcox (1850-1919)
Aus: Poems of Life



Mehr Gedichte von dieser Amerikanischen Dame des Fin-de-siècle können Sie lesen auf einer unserer vielen niederländischen 'Schwester-Kulturseiten' Tempel der Dichtkunst, wenn Sie auf den hier unten abgedruckten Link klicken:
http://tempelderdichtkunst.blogspot.com/2010/07/twee-gedichten-van-ella-wheeler-wilcox.html

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Donnerstag, 29. Juli 2010
Fasziniert vom Phänomen Mann — Der niederländische bildende Künstler Feike Otto van der Zee (1)

Auf der Suche nach einem Identifikationsmodell
Der niederländische bildende Künstler Feike Otto van der Zee war 35 Jahre alt als er im Früsommer 2009 seine Ausbildung an der Academie Minerva in Groningen beendet hat. Er hatte schon zuvor gezeigt wo seine Präferenzen liegen, und dass er auf der Suche ist nach dem Wesentlichen in dem für ihn außerordentlich faszinierenden Phänomen Mann, den er in grellen Strichen — und somit schematisch — skizziert wie im Rausch eines passionierten Verlangens, das, fürs erste, dem Willen untergeordnet ist. Gleichwohl muß der Wille schon Überhand gewinnen, und nicht nur als Vorstellung, sondern gleichfalls im Heranwachsen. Das gehört immerhin zu den Möglichkeiten im Skala dieses Zeichners, und deswegen kann auch viel mehr aus, bzw. unter seinen Händen entstehen, vorausgesetzt es gelingt ihm den am Horizont schimmernden, alles umfassenden Eros in den Griff zu bekommen und läßt sich nicht mehr von der immer vordergründig lockenden Sexualität dominieren.
Wenn, zum Beispiel, die männliche Selbstbefriedigung nicht mehr ein Hauptthema ist, sondern reduziert sein wird auf ein, gleichwohl wesentlichen Teilaspekt des, sowohl buchstäblich wie auch auch im ubertragenen Sinne, größeren Ganzen.
Obwohl die Konturen seines — hier mit Holzkohle und Pastellstift — dargestellten Schreies um Befreiung — aus einer, sei es buchstäblichen, sei es übertragenen, Depression — sich schon anzeigen kann es nicht anders sein als dass es sich um eine Art Zwischenstation handelt, da die Suche auf jeden Fall weitergehen muss.

Odysseus unterwegs
Für Feike Otto van der Zee ist die Suche nach dem wahrhaftigen Wesen des Phänomens Mann nichts weniger als eine Odyssee, die meines Erachtens als vorläufiges Endziel zwar eine tief hineinkolorierte Erotik vor Augen hat, jedoch 'unterwegs' vielen Verführungen bloßgestellt sein wird, wie zum Beispiel dem Sirenengesang des sinnlich Körperlichen, sowie der Gefahr zwischen Skylla und Charybdis zertrümmert zu werden bevor die voller Leidenschaft abwartende, flimmernde Erotik — welche die menschliche Erwachsenheit kennzeichnet — eine feste Grundlage seiner Arbeit sein kann. Denn ohne Erotik kann es nun mal keinen Raum für welche Form von Kunst auch immer geben.
Bis Mitte 2009 hat die Sexualität in den vielen Zeichnungen von Feike Otto van der Zee vorgeherrscht, welche sich jedoch im Laufe seiner Suche langsam aber sicher zum integrierten bestandteil eines fantasiereichen, und mithin dadurch immer mehr auf den Vordergrund tretende Erotik werden soll.
Wenn der Künstler einmal auf seinem eigenen Ithaka gelandet sein wird, kann es auch dann immer noch passieren dass er ziemlich viel Streit liefern muss mit den an manchen Stellen, und in vielerlei Erscheinungen, lauernden Männergestalten, welche sich nicht alle als gleich konstruktiv zeigen werden.
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Abbildungen
1. Eine der Zeichnungen die im Herbst 2009 in einer Amsterdamer Galerie ausgestellt wurden.
2. Feike Otto van der Zee vor einigen seiner Zeichnungen während der Gruppenausstellung Erotica, Anfang Juli 2010, gleichfalls in Amsterdam.


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Samstag, 17. Juli 2010
Wagners Meistersinger am Samstagabend konzertant in der Royal Albert Hall in der Reihe BBC Proms 2010
Der zweite und der dritte Abend in der Reihe BBC Proms 2010 in der Royal Albert Hall zu Londen stehen im Zeichen des Musiktheaters. Am Samstag 18. Juli steht eine Aufführung der Wagner-Oper Die Meistersinger von Nürnberg aus 1868 auf dem Programm [1], präsentiert von der Welsh National Opera. In dieser Produktion, die vor einigen Monaten erstmalig auf die Bühne gebracht wurde, singt Bryn Terfel die Rolle des Hans Sachs. Dirigent ist Lothar Koenig. Suzy Klein führt durch die Sendung. Weitere Informationen über die Solisten, den Chor und das Instrumentalensemble können Sie hier finden.
Das ganze nimmt, die Pausen mitgerechnet, ziemlich viel Zeit in Anspruch: zwischen 17:00 Uhr und 23:30 Uhr unserer Zeit; man kann das Ganze auf BBC Radio 3 verfolgen. Die zwei Unterbrechungen — einmal funfundzwanzig Minuten, das zweite mal eine ganze Stunde — werden aufgefüllt mit anderen BBC Radio 3-Programmen. [2]
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[1] Am Sonntag steht Simon Boccangera aus 1857 von Giuseppe Verdi (1813-1901) auf der Rolle.
[2] In der ersten Unterbrechung, von 18:30 Uhr bis 18:55 Uhr, bespricht Louise Feyer die Oper met Patrick Carnegie und Antony Negus.
Während der zweiten Pause sendet BBC Radio 3 das eine neue Folge aus der Reihe Words and Music; diesmal ist das Thema The Metaphysical Soul. Hierin wird eine Auswahl von Gedichten vorgestellt die alle
stammen aus der Feder der sogenannten metaphysical poets , sowie John Donne (1572-1631), George Herbert (1593-1633) und Andrew Marvell (1621-1678). Diese Poesie wird vorgetragen und abgewechselt durch Musik vo Gustav Mahler (1860-1911), Toru Takemitsu (1930-1996) und Benjamin Britten.
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Abbildung: Richard Wagner. Gemälde von Auguste Renoir.

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